Mord und Verfolgung an den Armeniern darf nicht zum Vokabelstreit verkommen

Mit großer Verwunderung habe ich die Aussagen der Türkei vernommen, dass der Mord an den Armeniern kein Völkermord gewesen sei, da diese Definition erst durch die Verabschiedung der Resolution 260 „Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes“ definiert wurde.

Dieser Umgang mit historischem Unrecht beschämt mich zu tiefst. Die Türkei täte gut daran, offen und ehrlich auszusprechen, wessen sich vorheriger Generationen schuldig gemacht haben. Die Armenier als ethnische Minderheit sollten aus damalig noch existierenden Osmanischen Reich entfernt werden. Auf Todesmärsche geschickt, entkräftet und gepeinigt sind bis zu 1,5 Millionen Menschen dieser Tortur zum Opfer gefallen. Bundespräsident Gauk hat dies gestern in Berlin prägnant und mutig zusammengefasst:

„Das Schicksal der Armenier steht beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen, ja der Völkermorde, von der das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet ist“.

Ob nun eine Vokabel erst 1948 geschaffen oder 1915 bereits existent war, ändert nichts an dem historischen Unrecht. Es handelt sich um Völkermord, ebenso wie es sich auch in den Frage der Herrero und Nama unter deutscher Kolonialbesatzung um Völkermord handelt.

Weder ein Vokabelstreit noch die Angst vor möglicher Entschädigung sollten hier die Messlatte dafür sein, unrecht nicht als solches anzuerkennen. Die Türkei, als Rechtsnachfolger des Osmanischen Reichs täte gut daran, dass Unrecht der Vorfahren zum 100 Jahrestag endlich anzuerkennen und die Armenier um Vergebung zu bitten. Dies würde zeigen, dass die Türkei eine Entwicklung durchgemacht hat, an deren Ende ein solches Unrecht nie wieder möglich wäre.

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